Was aus der Spende wurde – die Dortmunder Mitternachtsmission

Heute möchten wir euch von einem weiteren geförderten Projekt berichten und erzählen, wofür die Spendengelder eingesetzt wurden. Wir konnten 2018 erneut 5.000 EUR an die Dortmunder Mitternachtsmission spenden. Frau Andrea Hitzke als Leiterin der Mitternachtsmission schickte uns den folgenden Bericht zur Verwendung der Spendengelder.

„Mit Ihrer Spende unterstützen Sie den Arbeitsbereich „Kinder und Jugendliche in der Prostitution“. Das Ziel der Arbeit mit den betroffenen Kindern und Jugendlichen ist, ihnen Hilfe zur Rückkehr in ein normales Leben anzubieten und zu gewähren. Um dieses Ziel zu erreichen, ist es notwendig, den Kontakt zu den Betroffenen aufzubauen und zu halten und deren Vertrauen als notwendige Grundlage für einen Ausstieg aus der Prostitution zu gewinnen.

Aufsuchende Sozialarbeit mit Kindern und Jugendlichen in der Prostitution ist eine besondere Herausforderung, denn sie ist vielschichtig und diese Form der Prostitution findet überwiegend im Verborgenen statt.

Diese Kinder und Jugendlichen brauchen ein niedrigschwelliges Angebot, das auf gänzlich freiwilliger Basis in Anspruch genommen werden kann und das sofort und unbürokratisch Hilfe gewährleistet. Nur so können erfahrungsgemäß Vertrauen aufgebaut und zusammen mit den Betroffenen weitere Schritte geplant und durchgeführt werden, ohne dass sich die Klientinnen aus Angst vor Reglementierung wieder zurückziehen.

Im Jahr 2018 haben wir insgesamt 43 Mädchen und Jungs beraten und betreut. Zusätzlich haben wir 33 minderjährige Opfer von Menschenhandel betreut. Wir lernen die Mädchen auf verschiedenen Wegen kennen. Ein großer Baustein unserer Arbeit ist die aufsuchende Sozialarbeit oder auch Streetwork genannt. Die Mitternachtsmission gestaltet die aufsuchende Arbeit flexibel und ist zu unterschiedlichen Tages- und Nachtzeiten im Milieu unterwegs. Sie setzt mehrsprachige Honorarmitarbeiterinnen ein um den Kontakt zu den Mädchen zu ermöglichen, mit denen es Verständigungsschwierigkeiten aufgrund mangelnder Deutschkenntnisse gibt.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Präventionsarbeit. Sie soll einerseits Mädchen und auch Jungs davor schützen sich zu prostituieren und andererseits für uns eine weitere Möglichkeit bieten, Kontakt zu Minderjährigen zu knüpfen, die bereits Kontakt mit dem Milieu hatten oder haben.

Unsere Workshops haben wir für verschiedene Zielgruppen angeboten. Unsere Hauptzielgruppe waren Schulklassen. Des Weiteren fanden Workshops für Bundesfreiwilligen Gruppen, Studierende, Lehrer*innen, Schulsozialarbeiter*innen, Eltern und Fachkreisen sowohl lokal als auch überregional statt. Wir waren 2018 insgesamt in 35 Gruppen eingeladen. Schwerpunkt war das Thema „Loverboys“. Wir konnten so viele Jungs und Mädchen, genauso wie Lehrer*innen über das Thema aufklären.

Beispiel:
Nach einem Workshop in einer 9. Klasse sprach ein Mädchen die Mitarbeiterin der Mitternachtsmission an, ob Sie ihre Telefonnummer haben könnte. Sie erzählte von einer Freundin, der genau solch eine Geschichte zugestoßen ist, die in dem Workshop vorgestellt wurde.
Ein paar Tage später trafen sich das Mädchen und die Freundin mit der Sozialarbeiterin in einem Café. Das Mädchen namens Nele fasste sehr schnell Vertrauen und erzählte über ihre Situation. Sie war offensichtlich Opfer eines Loverboys geworden. Allerdings hatte sie die vermeintliche Beziehung schon beendet. Der Loverboy übt aber durch Fotos und Videoaufnahmen noch Druck auf sie aus, damit Nele weiterhin für ihn anschaffen geht.
Gemeinsam wurde nach einer Lösung gesucht und ihr wurden alle möglichen Optionen aufgezeigt. Noch am selben Tag hat sie ihren Eltern alles berichtet. Ein paar Tage später hat sie mit Unterstützung der Mitternachtsmission eine Anzeige bei der Polizei gestellt. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft und Nele wird auf den Gerichtsprozess von uns gut vorbereitet. Nele hat eine ambulante Therapie angefangen, um das Geschehene zu verarbeiten.

Wir sind sehr dankbar für Ihre finanzielle Zuwendung. Diese hilft uns sehr, die aufsuchende Sozialarbeit in der notwendigen Intensität zu leisten und die betroffenen Mädchen zu begleiten und zu unterstützen. Für 2019 sind schon wieder einige Präventionsworkshops und Vorträge geplant.“

Auch wir freuen uns, dass wir mit der Mitternachtsmission ein wertvolles Projekt unterstützen können, was sich um ein ganz wichtiges Thema kümmert, welches leider immernoch häufig tabuisiert wird. Wir sind daher sehr dankbar, dass es die Frauen der Mitternachtsmission gibt und sie für diese Kinder und Jugendlichen kämpfen.